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Verbotene Fragen im Vorstellungsgespräch

Geschrieben von Malte

Einige Fragen dürfen im Vorstellungsgespräch nicht gestellt werden. Der Bewerber hat sogar ein Recht zu lügen! Hier verraten wir Ihnen die Fragen.

Bretterwand und Schild mit der Aufschrift »Do not enter«

Vorstellungsgespräch: Die verbotenen Fragen (AGG + BDSG)

Bewerber und Personaler sitzen sich gegenüber und wollen sich im Vorstellungsgespräch näher kennenlernen. Es geht schließlich um eine intensive Zusammenarbeit, die mehrere Jahre anhalten kann. Da ist es natürlich, dass man den Bewerber und das Unternehmen im Gespräch auf Herz und Nieren prüfen will. Es gibt aber einige Fragen die im Vorstellungsgespräch nicht gestellt werden dürfen. Aber was genau darf ein Arbeitgeber nicht fragen und wann kann ein Bewerber etwas verschweigen?Die Grundlage dafür, dass Fragen nicht ins Vorstellungsgespräch oder in den Bewerbungsbogen gehören liefert in Deutschland das Allgemeine Gleichberechtigungsgesetz (AGG), die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und das neue Bundesdatenschutzgesetz (BDSG-neu).Hier eine Übersicht an Fragekategorien, die Sie im Bewerbungsgespräch und davor in Schwierigkeiten bringen können:

  • Geschlecht

  • Rasse oder ethnische Herkunft

  • Religion und Weltanschauung

  • Behinderung

  • Alter

  • Sexuelle Identität

Im folgenden werden wir genauer auf einige Frage-Bereiche eingehen. Unzulässig Fragen im Vorstellungsgespräch und auch generell sind:

Fragen zum Familienstand

Es darf nicht gefragt werden, ob der Bewerber verheiratet, verlobt, in einer Beziehung  oder single ist. Unzulässig sind auch Fragen nach Kinder, Details zu Kindern & Lebenspartnern, sowie Hochzeits- oder Kinderwunsch.Beispiele: Planen Sie im nächsten Jahr schwanger zu werden? Was machen ihre Eltern beruflich?

Fragen zu persönlichen Ansichten

Dazu gehören Fragen im Vorstellungsgespräch wie zu Religionsangehörigkeit, philosophische Überzeugungen, Gewerkschaftszugehörigkeit, politische Einstellung und Parteizugehörigkeit. Diese Angaben sind nicht nur vom AGG geschützt, sondern gelten auch als besondere Arten personenbezogener Daten im Sinne des §3 Abs. 9 BDSG und genießen deshalb strengeren rechtlichen Schutz. Es gibt jedoch Ausnahmen für politische und religiöse Einrichtungen.Beispiele: Welche Partei haben Sie gewählt?  Finden Sie den Papst genauso super wie ich?

Fragen zur Gesundheit

Hierzu zählen alle Fragen die den Gesundheitszustand der Person betreffen. Diese sind durch §3 Abs.9 BDSG gesichert. Es gibt jedoch zwei Fälle in denen das Unternehmen im Vorstellungsgespräch Fragen darf. Zu einem darf das Unternehmen, um die Belegschaft zu schützen, nach ansteckenden Krankheiten fragen, jedoch nur konkret auf einzelne Krankheiten. Zweitens darf ein Unternehmen nach chronischen Erkrankungen fragen, wenn diese die Tätigkeit des Bewerbers beeinträchtigen. Weitere Bereiche die besonderen Schutz unterliegen sind Alkoholkonsum, Schwangerschaft und Behinderung. Es gibt jedoch gewisse Ausnahmen auf die ein Anwalt besser eingehen kann.Beispiele: Sind Sie an AIDS erkrankt? Wie oft trinken Sie Alkohol am Tag?

Weitere private Fragen die verboten oder in der Grauzone liegen

Streng verboten sind Fragen nach dem finanziellen Verhältnis des Bewerbers aber auch die Frage nach Vorstrafen. Hier können nur besondere Umstände, dass Fragen im Vorstellungsgespräch erlauben. Zum Beispiel hat die Position auf die sich der Bewerber bewirbt Zugriff auf die Finanzen des Unternehmens. Hier kann der Arbeitgeber nach dem finanziellen Verhältnissen des Bewerbers oder gezielt nach einzelnen Straftaten fragen.Beispiel: Wurde Ihr Lohn schon einmal gepfändet? Waren Sie schon einmal kriminell?Eine Grauzone sind Hobbys und private Aktivitäten. Hier muss der Bewerber keine Auskunft geben. Der Arbeitgeber kann jedoch im Vorstellungsgespräch konkret nach Aktivitäten fragen die ein hohes Risiko zum Arbeitsausfall tragen, wie zum Beispiel Klippenspringen, Motor-Rennen, Tiefseetauchen oder Fallschirmspringen.Kurz und schnell: Nicht EU-Bürger dürfen nach der Arbeitserlaubnis gefragt werden, sowie nach Nebenjobs gefragt werden darf.

Dokumentationspflicht und Archivierung

Wichtig ist nicht nur, dass Sie diese vorhergehenden Fragen im Vorstellungsgespräch meiden sondern auch vorweisen können, dass Sie richtig gehandelt haben und nicht diskriminierend für einen Bewerber entschieden haben. Hierzu nutzen Sie am besten ein zentrales Ablagesystem in dem Sie den Bewerbungsprozess (Ausschreibung bis Einstellungsentscheidung) gut dokumentieren können (z.B. ein Bewerbermanagement System) und führen Interviews immer mit zwei Mitarbeitern des Unternehmens gleichzeitig.

Das Recht zur Lüge

Fall Sie jedoch im Vorstellungsgespräch nach verbotene Dingen fragen hat der Bewerber das Recht zu Lügen um nicht benachteiligt zu werden. Dies gilt aber nur bei Dingen die durch das AGG oder BDSG geschützt werden. Falls der Bewerber jedoch bei einer zulässigen Frage lügt, kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung aufheben. Den Extremfall stellt hier der Wettbewerbsverbot da, falls der Bewerber hier lügt können sogar Haftstrafen drohen.

So sichern Sie sich ab

Beantwortet der Kandidat eine zulässige Frage hingegen bewusst falsch, kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten. Eine Anfechtung wirkt dabei im Prinzip wie eine fristlose Kündigung. Bereits gezahlte Gehälter und Löhne können jedoch in der Regel nicht zurückgefordert werden. Personaler sind daher immer gut beraten, aus Gründen der Beweisbarkeit Bewerbungsgespräche mindestens zu zweit zu führen und ein Gesprächsprotokoll zu schreiben.

Sicher ist sicher! 

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