Ein KI Interview zu erstellen bedeutet, mithilfe von ChatGPT oder Recruiting-Software einen strukturierten Interviewleitfaden für ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Die KI schlägt passende Fragen, Nachfragen und Bewertungskriterien vor. Das Gespräch selbst führen weiterhin Recruiter:innen, Fachabteilungen oder Führungskräfte persönlich.
KI Interview erstellen: So funktioniert es
KI Interview erstellen bedeutet, ein Sprachmodell wie ChatGPT oder eine spezialisierte Recruiting-Software zu nutzen, um auf Basis eines Anforderungsprofils automatisch einen strukturierten, positionsbezogenen Interviewleitfaden zu generieren. HR-Fachkräfte sparen dadurch Vorbereitungszeit und stellen sicher, dass alle Kandidat:innen anhand vergleichbarer Kriterien bewertet werden.
Bewerbende sind KI im Bewerbungsprozess längst gewohnt: Laut der softgarden-Studie „KI trifft Recruiting 2025“ (knapp 7.000 Befragte) nutzen inzwischen 43,2 % der Bewerbenden KI für ihre Bewerbungsunterlagen – ein Anteil, der sich seit 2023 mehr als verdreifacht hat. Wenn Bewerbende mit KI-optimierten Unterlagen ins Gespräch gehen, sollten HR-Führungskräfte mit ebenso durchdacht vorbereiteten Interviews antworten.
„KI ersetzt nur Menschen, die nicht mit KI umgehen können. Das ist keine KI-Feindlichkeit, sondern ein klares Qualitätssignal – Menschen wollen wissen, dass am Ende ein Mensch entschieden hat.“
– Deborah Dudda-Luzzato, Leiterin der Fachgruppe Recruiting, Bundesverband der Personalmanager
Entscheidend dabei: KI soll das Gespräch vorbereiten, nicht führen. Eine repräsentative Königsteiner-Studie (1.023 Befragte) zeigt, dass nur jede fünfte befragte Person Vorstellungsgespräche mit Chatbots oder Avataren befürwortet – 52 % lehnen KI-geführte Interviews kategorisch ab. Genau hier liegt der Unterschied: KI als Vorbereitungswerkzeug wird akzeptiert, KI als Gesprächspartner nicht.
KI Interview erstellen, KI-Interviewvorbereitung und KI-geführtes Interview: Was ist der Unterschied?
Im Recruiting werden mehrere Begriffe oft vermischt. Für HR-Teams ist die Unterscheidung wichtig, weil Akzeptanz, Datenschutz und rechtliche Anforderungen je nach Einsatzform unterschiedlich ausfallen.
Für die meisten Unternehmen ist deshalb nicht das vollautomatisierte KI-Interview der beste Einstieg, sondern die KI-gestützte Vorbereitung eines menschlich geführten Gesprächs.
Kurz zusammengefasst
- Ein KI Interview zu erstellen bedeutet nicht, dass die KI das Vorstellungsgespräch führt. Sie unterstützt vor allem bei der Vorbereitung.
- HR-Teams können mit KI strukturierte Interviewleitfäden, STAR-Fragen, Nachfragen und Bewertungskriterien erstellen.
- Die Qualität der Ergebnisse hängt stark vom Anforderungsprofil, dem Prompt und den bereitgestellten Informationen ab.
- Bei personenbezogenen Daten wie Lebensläufen, Anschreiben oder Interviewnotizen müssen Datenschutz und Transparenz beachtet werden.
- Die finale Bewertung und Entscheidung sollten immer bei Menschen liegen.
Wie KI Sie bei der Erstellung eines Interviews unterstützt

Strukturierte Leitfäden statt Bauchgefühl
Statt für jede Position neue Fragen zu improvisieren, generiert KI auf Basis des Anforderungsprofils einen durchdachten Gesprächsleitfaden – inklusive Fragen nach der STAR-Methode, fachlicher Vertiefungsfragen und Hinweisen auf Punkte, die im Lebenslauf noch offen sind.
Zeitersparnis in der Vorbereitung
Recruiter:innen und Fachabteilungen sparen wertvolle Zeit, die sonst in die manuelle Formulierung von Fragen fließt – besonders wertvoll bei hohem Bewerbungsaufkommen oder mehreren parallel laufenden Prozessen.
Vergleichbarkeit zwischen Kandidat:innen
Wenn mehrere Beteiligte – HR, Fachabteilung, Führungskraft – dieselben KI-generierten Leitfragen nutzen, werden Interviews objektiver auswertbar und weniger abhängig von spontanen Eindrücken einzelner Gesprächspartner:innen.
Die einfache Variante: Ein KI Interview mit ChatGPT erstellen
Sie benötigen keine spezialisierte Software, um einen ersten Interviewleitfaden zu erstellen. Ein präzise formulierter Prompt in ChatGPT reicht bereits aus:
„Erstelle einen strukturierten Interviewleitfaden für die Position [Stellenbezeichnung]. Berücksichtige folgende Muss-Anforderungen: [Anforderungen einfügen]. Formuliere 8 Fragen nach der STAR-Methode, gruppiert nach fachlichen und methodischen Kompetenzen, sowie 2 Fragen zu offenen Punkten im beigefügten Lebenslauf: [Lebenslauf einfügen].“
Noch besser funktioniert der Prompt, wenn Sie nicht nur die Position nennen, sondern auch das gewünschte Ausgabeformat vorgeben:
Professioneller Prompt für HR-Teams
„Du bist Recruiting-Experte für strukturierte Interviews. Erstelle einen Interviewleitfaden für die Position [Stellenbezeichnung]. Berücksichtige folgende Informationen:
- Muss-Anforderungen: [einfügen]
- Kann-Anforderungen: [einfügen]
- wichtigste Aufgaben der Position: [einfügen]
- relevante Informationen aus dem Lebenslauf: [einfügen]
Erstelle daraus:
- eine Gesprächsstruktur für 45 Minuten,
- 8 kompetenzbasierte Interviewfragen nach der STAR-Methode,
- je 1–2 mögliche Nachfragen pro Frage,
- eine Bewertungsskala von 1 bis 5,
- Hinweise auf mögliche Bias-Risiken,
- Fragen zu offenen Punkten im Lebenslauf.
Formuliere die Fragen professionell, diskriminierungsfrei und so, dass die finale Bewertung durch Menschen erfolgt.“
Je konkreter der Prompt formuliert ist, desto besser kann die KI zwischen allgemeinen Standardfragen und wirklich positionsbezogenen Interviewfragen unterscheiden.
Beispiel: KI-generierter Interviewleitfaden für eine Vertriebsposition
So könnte ein Ausschnitt aus einem KI-generierten Interviewleitfaden für eine Position im Vertrieb aussehen:
Dieses Beispiel zeigt: Ein KI Interview besteht nicht nur aus einzelnen Fragen. Besonders wertvoll wird der Leitfaden, wenn Fragen, Nachfragen und Bewertungskriterien miteinander verbunden werden.
KI-Interviewfragen mit Bewertungsskala kombinieren
Ein KI-generierter Interviewleitfaden wird erst dann wirklich vergleichbar, wenn die Fragen mit klaren Bewertungskriterien verbunden sind. HR-Teams sollten deshalb vor dem Gespräch definieren, woran eine schwache, durchschnittliche oder starke Antwort erkennbar ist.
Wichtig ist: Die Scorecard sollte das Gespräch unterstützen, aber kein automatisches Urteil ersetzen. Sie hilft vor allem dabei, Eindrücke nachvollziehbarer zu dokumentieren und Kandidat:innen fairer zu vergleichen.
Die Profi-Variante: Automatisiertes Bewerberscreening mit integrierter Interviewvorbereitung
Für einzelne Positionen kann ein guter ChatGPT-Prompt bereits ausreichen. Sobald Unternehmen jedoch regelmäßig Bewerbungen erhalten oder mehrere Personen am Auswahlprozess beteiligt sind, wird ein integrierter Prozess wichtiger. Dann sollte die Interviewvorbereitung nicht isoliert in einem externen Chat stattfinden, sondern direkt mit Stellenanforderungen, Bewerbungsunterlagen und definierten Bewertungskriterien verbunden sein.
Genau hier setzt das OnApply-Kernprodukt Automatisiertes Bewerberscreening an.
Sobald eine Bewerbung eingeht, wertet OnApply Lebenslauf, Anschreiben und Fragebogenantworten automatisch aus – anonymisiert und DSGVO-konform auf Server-Infrastruktur in Deutschland. Das System identifiziert automatisch Klärungspunkte für das Interview und schlägt passende Gesprächsfragen vor, die direkt auf die individuelle Bewerbung zugeschnitten sind. Der Unterschied zur manuellen ChatGPT-Variante: Sie müssen nichts mehr manuell anstoßen – die Interviewvorbereitung läuft im Hintergrund für jede Bewerbung, die eingeht.
Rechtliche Rahmenbedingungen: Was HR-Führungskräfte beachten müssen
KI-gestützte Interviewvorbereitung kann rechtlich gut beherrschbar sein, wenn personenbezogene Daten geschützt, Bewerbende transparent informiert und automatisierte Entscheidungen vermieden werden. Sobald KI-Systeme jedoch Bewerber:innen bewerten, priorisieren, ranken oder Entscheidungen vorbereiten, sollten HR-Teams Datenschutz, Transparenzpflichten und die Anforderungen des EU AI Act genau prüfen.
Besonders sensibel sind KI-Anwendungen im Recruiting, weil der EU AI Act bestimmte KI-Systeme im Beschäftigungsbereich als Hochrisiko-Systeme einordnet. Die EU-Kommission stellt dafür Leitlinien zur Klassifizierung von Hochrisiko-KI-Systemen bereit; außerdem enthält der AI Act eigene Regelungen zu Transparenz, menschlicher Aufsicht und Risikomanagement.
Für die Praxis bedeutet das: KI sollte Interviews vorbereiten, aber nicht eigenständig über Eignung, Einladung oder Absage entscheiden. Die finale Bewertung muss nachvollziehbar, menschlich überprüft und dokumentiert bleiben.
Details zum EU AI Act – inklusive der Frage, wo die rechtliche Grenze zwischen reiner Vorbereitung und automatisierter Bewertung verläuft – haben wir in unserem Leitfaden KI im Bewerbungsgespräch – Chancen, Grenzen und rechtliche Pflichten ausführlich behandelt.
Ein weiterer zentraler Punkt betrifft den Umgang mit den Bewerbungsunterlagen selbst: Sobald Sie Lebensläufe oder Anschreiben in ein KI-Tool eingeben, verarbeiten Sie personenbezogene Daten von Kandidat:innen. Welche Anforderungen die DSGVO und die EU-KI-Verordnung dabei konkret an HR-Teams stellen, erklären wir ausführlich in KI im Recruiting: Datenschutz & EU KI Verordnung.
Was sollte KI bei Interviews übernehmen – und was nicht?
KI kann HR-Teams bei der Interviewvorbereitung sinnvoll unterstützen. Gleichzeitig sollten klare Grenzen definiert werden.
Sinnvoll ist KI zum Beispiel für:
- die Erstellung strukturierter Interviewleitfäden,
- die Formulierung kompetenzbasierter Fragen,
- die Vorbereitung von Nachfragen,
- die Zusammenfassung offener Punkte aus Bewerbungsunterlagen,
- die Erstellung von Bewertungskriterien,
- die Dokumentation von Gesprächsschwerpunkten.
Kritisch ist KI zum Beispiel bei:
- automatischen Eignungsurteilen,
- Rankings ohne menschliche Prüfung,
- Persönlichkeitsbewertungen aus Sprache, Mimik oder Stimme,
- vollautomatisierten Absagen,
- diskriminierenden oder nicht erklärbaren Bewertungskriterien,
- KI-geführten Interviews ohne transparente Einordnung.
Als Grundregel gilt: KI darf die Vorbereitung strukturieren, aber nicht die Verantwortung für die Auswahlentscheidung übernehmen.
KI Interview erstellen: So gehen Sie Schritt für Schritt vor
1. Anforderungsprofil klären
Definieren Sie, welche Muss- und Kann-Kriterien für die Position entscheidend sind. Wenn diese Anforderungen bereits in der Stellenanzeige sauber formuliert wurden, kann die KI später auf dieselbe Struktur zurückgreifen. Mehr dazu finden Sie in unserem Leitfaden zu KI-Stellenanzeigen erstellen.
2. Einfache oder automatisierte Variante wählen
Für Einzelpositionen reicht häufig ein guter ChatGPT-Prompt. Bei laufendem Bewerbungseingang, mehreren Recruiter:innen oder komplexeren Auswahlprozessen lohnt sich eine automatisierte Lösung.
3. Interviewleitfaden generieren lassen
Geben Sie Anforderungen, Aufgaben, Kompetenzen und bei Bedarf relevante Informationen aus der Bewerbung ein. Die KI erstellt daraus Fragen, Nachfragen und eine Gesprächsstruktur.
4. Mit strukturierter Vorauswahl kombinieren
Wenn bereits eine KI-gestützte Bewerbervorauswahl genutzt wird, können die daraus gewonnenen Erkenntnisse direkt in die Interviewfragen einfließen.
5. Fragen menschlich prüfen
Prüfen Sie, ob die Fragen fachlich relevant, verständlich, diskriminierungsfrei und zur Position passend sind.
6. Gespräch persönlich führen
Die KI bereitet vor. Das Interview selbst führen Recruiter:innen, Fachabteilungen oder Führungskräfte persönlich.
7. Ergebnisse nachvollziehbar dokumentieren
Halten Sie Bewertungen anhand vorher definierter Kriterien fest. So bleiben Entscheidungen transparenter und Kandidat:innen besser vergleichbar.
Quellen und weiterführende Informationen
Für die rechtliche und fachliche Einordnung von KI im Recruiting sind insbesondere folgende Quellen hilfreich:
- EU-Kommission: Informationen zum EU AI Act und zur Einordnung von Hochrisiko-KI-Systemen.
- Google Search Central: Leitlinien zu hilfreichen, verlässlichen und menschenzentrierten Inhalten.
- OpenAI: Informationen zu Webcrawlern wie GPTBot und OAI-SearchBot, die für die Auffindbarkeit in KI-Systemen relevant sein können.
- Forschung zu Generative Engine Optimization: Hinweise darauf, dass strukturierte Inhalte, Quellen, Statistiken, Vergleiche und konkrete Prozessschritte die Sichtbarkeit in generativen Suchsystemen unterstützen können.



